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Zitate zur Person

Johannes Maaß

27.02.1882 – 24.04.1953

Zitate von bzw. zu Johannes Maaß

Ich habe zu sprechen über die NS-Aufzucht und über das Wesen der Erziehung. Es ist nicht zufällig, dass ich nur zwei Buchstaben gewählt habe. Ich bin der Meinung, dass die (Wörter) „national“ und „Sozialismus“ in dem Mund der verflossenen Führer eine Schändung waren. Ihre Worte waren Lug und Betrug. Die ganze Bewegung war auf Tarnung und Täuschung aufgebaut. Es ist das Furchtbare, dass das deutsche Volk das nicht rechtzeitig erkannt hat und so weitfassend mitgegangen ist. Darum haben wir heute die Aufgabe, uns sehr mit dieser Zeit auseinanderzusetzen, obschon sie im Grabe liegt. (Stadtrat und Schuldezernent Johannes Maaß während der ersten großen Versammlung der Wiesbadener Lehrerschaft in der Oranienschule am 7. November 1945)

Wer (während der NS-Zeit) ein Verbrechen begangen oder verursacht hat, sollte nach unseren geltenden Strafgesetzen gerichtet und verurteilt werden; mehr ist gar nicht nötig, die Gesetze reichen aus. Das deutsche Volk aber, ob es zu den Anhängern Hitlers gehörte oder nicht, muss die Wahrheit erfahren! Die ganze unerbittliche, fürchterliche Wahrheit über alles, was dieses verbrecherische System angerichtet hat. Und wir dürfen nicht eher ruhen, bis jeder einzelne Deutsche begreift, was geschehen konnte in den Jahren des Terrors, solange wir von Verbrechern regiert waren. – Wenn ich Zeit genug hätte, möchte ich ein Buch über meine Erlebnisse und Gedanken schreiben; es würde den Titel tragen „Vom Wahn der Gewaltidee zur Vernunft der Ideengewalt“ – und darin möchte ich die Idee der Demokratie lebendig werden lassen. Es nützt nichts, sich nur gegen den Irrsinn der deutschen Vergangenheit aufzulehnen; wir müssen in Zukunft etwas Besseres an die Stelle setzen, und jeder in unserem Volk sollte sich gerufen fühlen, dabei mitzuwirken. (Johannes Maaß nach dem Erinnerungsbericht seiner Tochter Hety Schmitt-Maaß „Ein KZ – was ist das gewesen? Häftling Nr. 109 292 erinnert sich“)

Als ich Ende Mai 1945 nach Wiesbaden zurückkehrte, fand ich dort einen „Aufbau-Ausschuss“ und einen „Anti-Nazi-Bund“ vor, hörte ferner, dass die frühere Kommunistische Partei eine „Antifaschistische Vereinigung“ gebildet habe und dass in bürgerlichen Kreisen das Bestreben vorliege, eine „Christlich-Demokratische Bewegung“ zu fördern. Der „Anti-Nazi-Bund“ kam in der Mauergasse bei (Emil) Debusmann zusammen und bestand aus etwa einem Dutzend Personen. Die Teilnehmer hatten wohl alle mehr oder weniger das Gefühl, dass der Kreis zu klein und nach der Zusammensetzung für einen tatkräftigen, erfolgreichen Einsatz unzulänglich war. Es wurde darum (mir) die Aufgabe übertragen, die notwendige Erweiterung und Ergänzung in die Wege zu leiten. (…) Man (…) wollte mit dem Kampf gegen das Nazitum und dem gleichgerichteten Bund zugleich die alte SPD neu ins Leben rufen. Die Schwäche der Arbeiterbewegung vor 1933, wodurch unter anderem die Machtergreifung Hitlers möglich wurde, lag einmal in der Spaltung der Arbeiterschaft und dem Bruderkampf zwischen SPD und KPD und zum anderen in der fehlenden Verbindung mit dem linken Flügel des Bürgertums. Der „Anti-Nazi-Bund“ musste also (…) nach diesen beiden Seiten Anknüpfung suchen. Ferner war notwendig, dass in seine Führung Personen eingeschaltet wurden, die in dem verflossenen „Dritten Reich“ ihre antifaschistische Gesinnung eindeutig unter Beweis gestellt hatten. Aus dem letztgenannten Gesichtspunkt heraus und um dem Nachwuchs den nötigen Einfluss zu sichern, nahm (ich) zunächst die Verbindung mit der Gruppe früherer „Jungsozialisten“ (d. h. mit der Restgruppe der einstigen Sozialistischen Arbeiterjugend) auf und erreichte ihre Mitarbeit. (Ich) unterstützte ferner August Heinzmann in dem Bestreben, uns nahestehende Kreise aus Kleinbürgertum und Mittelstand für die gemeinsame Aktion zu gewinnen. Dann wurde versucht, Beziehungen zu den früheren Kommunisten und der christlich-demokratischen Richtung herzustellen. Die Vertreter der KPD verhielten sich zunächst abwartend und hatten allerlei Einwendungen gegen ein vorläufiges Aktionsprogramm des „Anti-Nazi-Bundes“ zu erheben. Ich erklärte daraufhin, es handele sich bei der geplanten Zusammenarbeit eigentlich nur um drei Hauptpunkte: 1. Der unglückselige Bruderkampf der beiden Arbeiterparteien muss ausgeschaltet und überwunden werden; 2. Die Reste des Nazitums und die Folgen der verfehlten, verruchten Politik des „Dritten Reiches“ können nur durch die Zusammenfassung aller antifaschistischen Kräfte ausgeräumt werden; 3. Wir brauchen der Besatzungsmacht gegenüber eine gemeinsame Plattform der handlungsfähigen Volkskreise. Diese drei Gesichtspunkte wurden als richtig anerkannt, und auf ihrer Grundlage kam der „Einheitsausschuss“ der beiden Linksparteien zustande. Dagegen hatten die ähnlich gerichteten Besprechungen mit Vertretern der früheren bürgerlichen Parteien keinen praktischen Erfolg, weil dort eine neue Partei, christlich-demokratische Vereinigung oder so ähnlich, gebildet werden sollte, zu deren beglaubigter, vollgültiger Vertretung sich niemand ermächtigt fühlte. Der „Einheitsausschuss“ beschäftigte sich zunächst mit dem „Aufbau-Ausschuss“; dieser war hervorgegangen aus einer Restgruppe der früheren (Deutschen) Demokratischen Partei bzw. Staatspartei. Er hatte den Wiederaufbau der Verwaltungen zum Ziel (…). Der „Einheitsausschuss“ schlug demgegenüber eine freie Bürgervereinigung vor, die sich gleichmäßig auf die geplanten drei Parteien gründen und alle wichtigen Fragen der Bürgerschaft behandeln sollte. Nach sehr langwierigen Verhandlungen ist später dieser Bund im „Bürgerrat“ unter sozialdemokratischer Führung zustande gekommen. (Auszüge aus einem Erinnerungsbericht von Maaß über den demokratischen Neubeginn)

Johannes Maaß war ein Feuerkopf, gescheit, erfüllt von Initiative und schöpferischen Ideen. (…) Männer wie Maaß, die ihrer Zeit vorauseilten, waren erheblichen Angriffen, Verfolgungen und auch der Gefahr von Missverständnissen ausgesetzt. Johannes Maaß hat sich um die Schule im Allgemeinen und um das Wiesbadener Schulwesen im Besonderen hoch verdient gemacht. (Georg Buch bei der Einweihung der Johannes-Maaß-Schule am 27. Februar 1960)